Auch digitale Inhalte sind vererbbar

Es besteht aus erbrechtlicher Sicht kein Grund dafür, digitale Inhalte anders zu behandeln, als analoge Dokumente wie Tagebücher und persönliche Briefe, die nach § 2047 Abs. 2 und § 2373 Satz 2 BGB auf die Erben übergehen. Somit müsse den Erben Zugang zu einem digitalen Account, im hiesigen Fall zu einem Facebook-Benutzerkonto und den darin vorgehaltenen Kommunikationsinhalten gewährt werden, entschied der Bundesgerichtshof am 12.07.2018 (Az.: III ZR 183/17).

In einem Vertrag könnte zwar ausgeschlossen werden, dass solch ein Account vererbt wird. Das Kleingedruckte bei Facebook habe dazu allerdings nichts enthalten. Selbst das sogenannte Versetzen in den Gedenkzustand, also das Einfrieren des Kontos, wie es bei Facebook möglich ist, sei schlicht unwirksam.

Trauriger Hintergrund dieses Verfahrens, das sich über sechs Jahre und über drei Instanzen hinzog, waren die bislang ungeklärten Todesumstände der Tochter der Klägerin (der Erbin) infolge eines U-Bahnunglückes. Mit dem Zugang zum Facebook-Account der Tochter kann die Mutter nun überprüfen, ob ihr Kind gemobbt wurde oder ob es sonst irgendwelche Hinweise auf Selbstmord gab.
Diese Erkenntnisse könnten auch in einem anderen Prozess von Bedeutung sein, denn der U-Bahn-Fahrer hat die Erben der Tochter auf Schmerzensgeld verklagt, weil - so die Argumentation des U-Bahn-Fahrers - das Mädchen seinen Tod bewusst herbeigeführt und ihn damit geschädigt habe. Bleibt den Erben nur zu wünschen, dass sie bei Facebook hierfür keine Anhaltspunkte finden, um dieser Klage etwas leichter entgegentreten zu können.