Das „Geliebten-Testament“ – Wirksam oder unwirksam?

Der Schock für die Hinterbliebenen ist groß, wenn sie im Rahmen der Testamentseröffnung erfahren, dass der Erblasser weder seine Kinder, noch seine Ehefrau, sondern seine Geliebte zur alleinigen Erbin eingesetzt hat – die Verwandten und die Ehepartnerin also nicht nur mit dem Tod des Erblassers, sondern auch mit emotionalen Verletzungen zurechtkommen müssen gepaart mit der Enttäuschung, dass ihnen lediglich der (gefühlt undankbare) Anspruch auf den sogenannten  Pflichtteil in Höhe der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils (§ 2303 BGB) zustehen soll. Derart „ausgebootet“ stellt sich den Hinterbliebenen die Frage, ob solch ein „Geliebten-Testament“ überhaupt wirksam ist.

Der Erblasser ist für eine solche Entscheidung grundsätzlich niemandem Rechenschaft schuldig und sein Testament nicht etwa schon deshalb unwirksam, weil die dort als Alleinerbin eingesetzte Geliebte evtl. einige Jahrzehnte jünger ist, als der hochbetagte Erblasser. Familienangehörige haben es also regelmäßig hinzunehmen, wenn der Erblasser sein Vermögen auf familienfremde Personen überträgt; der Erblasser kann machen, was er will – so sieht es die in der Verfassung garantierte Testierfreiheit vor.

Lediglich wenn ein Erblasser die Geliebte deshalb durch seine letztwillige Verfügung bedenkt, um diese „für die geschlechtliche Hingabe zu entlohnen oder zur Fortsetzung der sexuellen Beziehung bestimmen oder diese festigen will, dann ist – zumindest in aller Regel – die letztwillige Verfügung schon wegen dieses der Zuwendung zugrundeliegenden Beweggrundes sittenwidrig und nichtig“, so der Bundesgerichtshof (BGH, Beschluss vom 31.03.1970, III ZB 23/68).

Wenn aber neben der „sexuellen Hingabe“ noch weitere Beweggründe den Erblasser zur Alleinerbenstellung seiner Geliebten motiviert haben, dann scheidet regelmäßig eine Sittenwidrigkeit des Testaments aus.